Alles andere ist nur Radio

Killer
Airbag

02.05.2020 muenic
2 Min. Lesezeit
Die norwegischen Progressive-Rocker Airbag sind allgemein noch relativ unbekannt, dabei haben sie 2016 ihr viertes Album "Disconnected" veröffentlicht und ihr fünftes Album steht derzeit in den Startlöchern. Ihre Musik gefällt mir fast ausnahmslos sehr gut, denn sie machen einen durchweg ausgeglichenen und manchmal auch epischen Prog-Rock, der einen die Welt um sich herum vergessen lässt. Die Band hat zwar durchaus ihren eigenen Stil, der von Musikexperten auch als "Artrock" bezeichnet wird aber häufig erkennt man sehr deutlich Stilelemente von Pink Floyd oder auch Steven Wilson, die sie gekonnt einsetzen. Laut ihrer Biographie haben sie in früheren Zeiten in einer Pink-Floyd-Coverband gespielt - das erklärt freilich einiges. Alle bisherigen, selbst produzierten Alben warten mit Songs auf, die einfach meisterhaft interpretiert und produziert sind und ich tat mich schwer, das erste Lied für den Blog auszuwählen. Letztendlich entschied ich mich für "Killer" aus dem o.g. Album, das zwar nur aus sechs Songs besteht aber dennoch auf 50 Minuten Länge kommt. Unter sieben Minuten Songlänge geht bei Airbag anscheinend nichts - ihre gut durchdachten Songs brauchen eben Zeit, sich zu entfalten. Langweilig wird es jedenfalls trotz der ruhigen Grundstimmung definitiv nicht.
Thematisch befasst sich "Disconnected" mit der Entfremdung des Einzelnen von der Gesellschaft, den Erwartungen der Gesellschaft an jeden Einzelnen und dem Unvermögen, sie zu erfüllen. Mit "Killer" geht die Band noch einen Schritt weiter, denn hier wird ein Mörder im übertragenen Sinne thematisiert. Zum tieferen Sinn des Songtextes sagte der Airbag-Gitarrist Bjørn Riis: "Ich hatte diese Idee von diesem skrupellosen Geschäftsmann, der alle benutzt, um erfolgreich zu sein. In etwa so, als ob Bateman aus American Psycho auf Gordon Gekko aus Wall Street trifft - er hat keine Verbindung zu den Regeln der Gesellschaft." ...und ist somit "disconnected".
So lautet beispielsweise ein Teil des Songtextes:
Aber ich bin nur wegen dem Trip hier,
ich bin wegen des Spaßes hier
Und ich werde alle töten, wenn es sein muss
Was auch immer nötig ist, um an der Spitze zu bleiben

Airbag  (aus dem Englischen übersetzt von muenic)
Rein musikalisch ist "Killer" einfach nur grandios - in gut neun Minuten bekommt man einen floydesken Rhythmus geboten, der mit floydesken Gitarrenriffs und -solos den Gesang des Airbag-Frontmanns Asle Tostrup gekonnt einrahmt. Das Stück ist mit vielen klanglichen Finessen gespickt und sehr detailreich, ohne dabei zu verspielt zu wirken. Im Gegenteil, in meinen Ohren passt alles hervorragend zusammen. Wenn man die anderen Songs von Airbag kennt, merkt man, dass hier ein größerer Fokus auf dem Schlagzeug, anderen Gitarrenrhythmen und elektronischen Elementen liegt - das mindert die Qualität der anderen Werke keinesfalls, "Killer" ist einfach nur "anders" und obendrein besonders floydesk. Meinerseits eine klare Hörempfehlung!
 
  283  Prog-Rock   RhythmischFloydesk


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